Da sind die in ihren Rollatoren und Rollstühlen, Kranke und Gebrechliche, abgeschoben in die städtischen Einrichtungen, im Wartesaal ohne Zukunft, im starren Rhythmus des Tagesablaufes, froh, irgend jemanden etwas erzählen zu können, der zuhört.
Sie alle waren mal was und werden heute nicht mehr gebraucht und geschätzt, froh, wenn sie Besuch kriegen und vom vergangenen Leben berichten können. Endstation Sehnsucht
Gartenkunst
Eines der Produkte der Städtepartnerschaft mit Kunming ist der Chinagarten am Zürihorn. Als Dank gespendet von der chinesischen Millionenmetropole für die Zusammenarbeit im Bereich Wasserversorgung wurde er von chinesischen Handwerkern als Tempelanlage aufgebaut. Jeder chinesische Garten symbolisiert ein Landschaftsbild, das eben auch die klassischen Elemente wie Pavillon, Teich, Brücke, Pagode usw. enthält; in Zürich wurde die Landschaft Yunnan nachempfunden mit Anlehnung an die Westberge, golden temple und Teehaus. Die Philosophie dahinter ist Verschmelzen von Architektur, Malerei, Kalliographie, Literatur und Bildhauerei zu einem harmonischen Gesamtkunstwerk.
Für die wenigen Besucher stünde sogar ein take away zur Verfügung, was verständlicher ist als die Kunst des Gartens zu ergründen.
Eingeschrieben
«Darf ich für Sie unterschreiben?»
Der Postbote hielt das Gerät für die elektronische Unterschrift in den Fingern, die andere Hand schwenkte einen Brief in der Luft.
«Äh???»
Er wiederholte die Frage und ergänzte, dass wegen der aktuellen Lage die Postboten keinen direkten Kundenkontakt mehr pflegen dürfen, was u. a. heisst, dass die Empfangsbestätigung durch ihn selber gemacht wird, was wieder wahrscheinlich rechtlich doch etwas fragwürdig erscheint.
«Selbstverständlich, kein Problem»
«So, sehen Sie, ich habe noch ‹wegen Corona› hingeschrieben»
Ich sah zwar sowieso nichts, nahm den Brief in Empfang und schloss die Türe. Tja, tja, arme Schweine.
Patumbah liegt auf Sumatra
Wer dachte, dass die Schweiz nicht von den kolonialen Machtansprüchen der europäischen Ländern vor 150 Jahren profitiert hat, dem sei der Besuch der Villa Patumbah empfohlen. Erstellt wurde sie von einem, aus Sumatra zurück gekehrten Abenteurer namens C.F. Grob, der in der damaligen holländischen Kolonie als Tabakplantagenbesitzer ein riesiges Vermögen angehäuft hatte und dieses in Form einer prunkvollen Villa und Parkanlage wieder zum Fenster raus warf.
Heute gehören Villa und Park der Stadt, als Untermieterin ist der Schweizer Heimatschutz eingezogen, der u. a. Ausstellungen und Führungen anbietet.
Ein Podcast Tipp: Walzer in Afrika behandelt die kolonialen Vergangenheit der drei Länder Schweiz, Deutschland und Österreich.
coachhouse blues band
Da sass er, überpünktlich am vereinbarten Treffpunkt Wurstküche, Christoph A. Mayer, seines Zeichen Professor für Zellbiologie an der hiesigen Universität; etwas dick ist er geworden in all den Jahren, wahrscheinlich seiner Ehefrau zu verdanken.
Nach den üblichen Kaltgetränken wurde zum Marktplatz disloziert, der in diesem lauen Sommerabend gut gefüllt war; besonders junge Leute sassen herum, Studenten, die etwa ein Drittel der Bevölkerung ausmachen.
Ohne grosse Überraschung schweifte das Gespräch auf Musik und die damals legendäre Bluesband «coachhause blues band» ab, dieses Trio inferniale, das bei jeder passenden und meistens unpassenden Gelegenheit den botanischen Garten mit ihrer Mission Blues überzog, was im Nachhinein total verrückt war, aber zur damaligen Zeit, wo Botanik quasi ein mehr geduldetes als geliebtes Studienfach war, spielte das keine Rolle. In Erinnerung bleibt dieses traumhaft schöne Happening im nächtlichen, dunklen Tropenhaus, gespielt im Rahmen des jährlichen Sommerfestes des Institutes und Gärtner. Christoph mochte sich noch ziemlich gut an die gespielten Titel erinnern, und eben auch an die miserablen Auftritte, wo leider «dabei sein, ist alles» nicht stimmte.
Tübingen ist eine nette, sympathische Stadt mit hübschen Stadtkern, ein paar Museen und einer grossen, bereits etwa 550 Jahre alten Universität. Wer sich auf Spurensuche in die Stadt begibt, findet Namen wie Hölderlin, Hauff oder Miescher, Wurstküche, Schwarzes Schaf, Forelle, Lichtenstein, krumme Brücke, Hirsch, Collegium oder Kichererbse.
Vielleicht hätte die Geschichte doch besser Kellerbier heissen sollen.
perfect day

Handverlesen
Auch beim städtischen Kino müssen die Tickets online bestellt werden, was für Abobesitzer heisst, einen Code einzugeben, der aber nur an der Kasse erhältlich ist, was bedeutet, zuerst den Code abzuholen und dann die Online Reservierung zu tätigen, wo noch aus Sicherheitsgründen diverses Personalangaben gemacht werden müssen.
Der Belegungsplan des Saales war noch gähnend ungenutzt, so dass irgendwo ein Kreuzchen gemacht wurde. Und tatsächlich waren es nur eine Hand voll Zuschauer, die sich die Komödie trois hommes et un coffin ansehen wollten, wobei wahrscheinlich an der Abendkasse auch einfach so ein Billett organisiert hätte werden können.
sommerliche Üppigkeit
Der Weg verläuft durch Feuchtwiesen, Auwäldern, Feldern, Wiesen, entlang des Flusses, der mal mäandernd, mal eingezwängt in einem Damm sein braunes Wasser Tal abwärts trägt, fernab der kleinen Dörfer, die aus Hochwassergründen am Hang gebaut wurden. Das Krippeln in den Beinen wird mit der Überquerung der Thur in 50 Meter Höhe erreicht, wo der Weg über die Eisenbahnbrücke bei Thalheim führt, nichts für Höhenkranke und Nicht Schwindelfreie.
Natürlich ist auch hier Renaturierung ein Thema, der Weg entlang des Dammes nach Frauenfeld ist doch etwas eintönig. Umwerfend ist diese dampfende sommerliche Üppigkeit der Vegetation, die irgendwie an die Tropen erinnern.
Picknick
Da sassen sie auf der Wiese unter den Zelten an ihren Tischen und Stühlen, eine italienische Grossfamilie, die Männer spielten Boccia, die Damen unterhielten sich. Gleich oberhalb des Wanderweges hatten sie ihre Autos abgestellt und die Sachen das kurze Stück zum Fluss runter gebracht. Auf der anderen Seite, auf einer Kiesbank lagen Badende an der Sonne, weiter oben spielten Kinder im vom Gewitteregen braun gefärbten Fluss.
Die letzten 15 Kilometer der Thur, bevor sie in den Rhein mündet, wird vielfältig beansprucht, als Naherholungsgebiet zum Baden, Biken oder Wandern, Forst wirtschaftlich, wobei glücklicherweise in den geschlagenen Lichtungen die Regeneration dem Wald selber überlassen wird und als Naturschutzgebiet für Flora und Fauna.
Die Renaturierung des Fluss hat wieder zur Bildung von Kiesbänken, Sand- und Steilufern und Sumpfwiesen geführt, der Fluss beginnt wieder, Richtung Rhein zu mäandern.
Zwischen Flaach und Andelfingen ist der Boden sehr fruchtbar, Maisfelder wechseln sich mit Getreide-, Kartoffel-, Sonnenblumen-, Spargel- und anderen Gemüsefelder ab. Auch Rebberge durchziehen die Landschaft und laden zu einem Glas Weisswein ein. Das Flaacher Feld ist ÖV technisch nicht besonders gut an den Rest des Kantons angeschlossen, was vielleicht auch dessen Glück ist.
Guilty
An einer Zigarette ziehend, eine Bierflasche in der Hand, etwas teigig vom Krach im Musikkeller, den Trubel des Sommerfestes beobachtend, wo die Menge Schutz vor dem Gewitter unter dem Eingang und Zeltblache suchte, zupfte jemand an den Ärmeln; es war Sophia, die vorwurfsvoll auf den Glimmstengel deutete und an die vergangene Wette erinnerte.
«Das war eben letztes Jahr und jetzt hat ein neues begonnen.» Eine ziemlich dumme Ausrede.
Da müsse sie halt Robert nochmals schlagen, was ja für sie eine Kleinigkeit sei, ob ich denn Robert nochmals anfragen könne.
Sie schlug dann noch vor, alternierend ein Tag zu rauchen und am anderen nicht, was irgendwie vernünftig tönt, in der Umsetzung wohl wieder an der Disziplinlosigkeit scheitern wird.
Geschickt wurde das Gespräch auf Pippi Langstrumpf und Michel von Lönneberga verlagert, was bei ihr aktuell hoch im Kurs ist, besonders jene Episode, wo Michel mit einem Suppentopf auf dem Hof herum rennt; rührend, dass die Geschichten von Astrid Lindgren immer noch von den Kindern geliebt werden.
Guilty?