Senderismo

Wandern statt Strand, Camping statt Stadt, Bier statt Mojito, Covid hat auch das Jahrestreffen total durcheinander gewirbelt. So wankte die Gruppe der Via Verzasca entlang nach Lavertezzo, entlang des wilden, abwechslungsreichen Baches, vorbei an den alten Steinhäusern, den türkisgrünen Wasserstellen, wo wagemutigen Touristen im kalten Nass badeten. Unterwegs mit vielen anderen Wanderern und Bikers fand sich dann doch diese kleine Restaurant in Gerra, einladend, eine kleine Mittagspause einzulegen.

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Das Tal ist kein wirklicher Geheimtipp mehr, aber wild, romatisch und wunderhübsch; und trotzdem schräg, dass statt des üblichen Brain Resets nur die Muskeln etwas schmerzten. So gesund und fit hat man sich noch nie bis zum nächsten Jahr verabschiedet.

Noch ein bischen Werbung für unsere italienisch sprechende Freunde.

Kerenzerberg

Ein sperrige Felsklotz ist er, der Kerenzerberg; einem Riegel gleich störte er Jahrhunderte lang den Verkehr zwischen Chur und Zürich. Das Verladen auf Schiffe am Walensee erschien zu unsicher, besonders dann, wenn die Herbst- und Frühlingsstürme tobten und der See sich als unpassierbar erwies. Schon die Römer erkannten das Problem, und ihre findigen Baumeister bastelteten eine Strasse über diese Felsklotz, wobei lange dies nur eine Annahme war, bis tatsächlich die Reste eines Wachturmes gefunden wurde, was wiederum den hiesigen historischen Verein sehr erfreute.
Zur Zeit der Freiheitskriege gegen die Lehnherrschaft der Habsburger und des Klosters Säckingen wurde sogar noch eine Lehmmauer errichtet, was verhindern sollte, dass fremde Ritterheere einfach so über den Pass ins Tal her fielen und deren Bewohner massakrierten.
Bis vor gut 50 Jahren quälte sich der Strassenverkehr über den Berg, bevor die Untertunnelung des Felsklotzes die Dörfer wieder in den Dornröschenschlaf schickte.
Die Einnahmequelle hier sind Touristen, die in Campers, Motorräder, Velos mit und ohne Batterien, verrückte Wanderer im Sommer, im Winter, falls Schnee vorhanden, mit Skiern und Snowboards hochfahren und ein bisschen Geld liegen lassen. Die Römer, die ursprünglichen Erbauer der Strasse, scheinen ausgestorben zu sein.

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Falls das Glück hold ist, erwischt man unten am See das Kursschiff, das den tomatisierten Spaziergänger in Richtung Walenstadt gondelt, ein klarer Fall für die Dermatologinnen und Schönheitschirurgen der Familie. Trotzdem es tut gut, den Dialekt wieder zu hören und an de Luft zu schnuppern, wo die Tage gestohlen wurden.

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Konserven

Das erste, was damals mit Bischofszell assoziert wurde, waren Konservern, vorallem Ravioli und die Büchsen mit Karotten und Erbsen, die jeweils an Weihnachten zu russichem Salat verarbeitet wurden, wobei kein Mensch eigentlich wusste, warum dies um diese Festzeit ein Brauch war und woher denn das Wort «russischer Salat» stammt. Die Ravioli Büchsen sind irgendwie negativ in Erinnerung geblieben, weswegen auch heute noch auf den Kauf derselben dankend verzichtet wird. Naja, später war dann doch klar, dass Bischofszell irgendwo in der Ostschweiz liegt, so zwischen St. Gallen und Romanshorn, was aber nicht sehr von Bedeutung erschien, weil der Lebensmittelpunkt sich in die Westschweiz verschoben hatte und die Ostschweiz weiter im persönlichen Dornröschen Schlaf schlummerte.
Unf heute? Bischofszell liegt an der Thur, aha, nicht gewusst, die Konservenfabrik gibt es immer noch, ok, das hübsche Städtchen liegt auf einer Hochebene in der Nähe der Mündung der Sitter in die Thur und gehört immer noch zum Kanton Thurgau, obwohl eine Flasche Wein dagegen gewettet worden wäre, dass hier bereits der Kanton St. Gallen angefangen hat, und der Slogan der Stadt heisst «Rosenstadt im Thurgau».

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Das Bett des Flusses ist bereits ziemlich schmal geworden; es lässt keine Ackerflächen mehr zu; die Dörfer und Städtchen liegen auf den angrenzenden Hügeln und Ebenen, etwa 50 Meter oberhalb der Talsohle. Etwa 10 km nördlch davon zwingt der Bodenseerücken den Fluss nach Westen; das Tal öffnet sich und wird breit, heute intesniv genutzt von der Landwirtschaft, deren Produkte wahrscheinlich eben zu Konserven verarbeitet werden.
Vor gut 200 Jahren, als Überschwemmungen an der Tagsordnung waren, in den Sumpfgebieten sich Malaria ausbreitete, wurde auch mit der Idee gespielt, die Thur mittels Kanal in den Bodensee umzuleiten, was sich aber als viel zu teuer erwies.
An diesem warmen Spätsommertag gab es doch einige Einheimische, die auf den Kiesbänken lagen oder ihre Füsse in ins kalte Nass streckten.

Flöhe hüten

Sie gingen in die Ferien, die beiden Jugendschachtrainer und fragten vorher an, ob den der Chef vom Ganzen die Kids beaufsichtigen könne, was für den Angesprochenen Ehrensache war.
So tröpfelten zu Beginn der Stunde langsam die Kinder und Jugendlichen zur Türe rein, nicht gross überrascht, dass da jemand anders war; das Programm war klar, sie mussten an ihrem internen Turnier weiter spielen, mit wohl bekannten Regeln, die doch für Aussenstehende kompliziert und undurchsichtig erschienen, weswegen der temporäre Übungsleiter die Regeln etwas wieder gerade bog und die Kinder einfach mal spielen liess. So duellierte sich Jan gegen Stelios, Bastian gegen Alexander, Prasbanth gegen Kavyan, und der überzählige Lukas, der sowieso nur seines Bruders wegen mitgekommen war, was auf den ersten Blick nicht offensichtlich schien, da die beiden miteinander englisch sprachen, wobei eben sich dann heraus stellte, dass deren Muttersprache eigentlich deutsch und russisch sei, eben dieser Lukas mass sich mit dem Schreibenden und verlor nach einem optimistischen Start ziemlich sang- und klanglos, was vielleicht auch damit zusammen hängt, dass der Lärmpegel rasant anschwoll, da die ersten Partien zu Ende waren und die Jugendlichen mit ihrem Unsinn begannen.
So stellte der temporäre Übungsleiter Einzelpartien zusammen und bot den drei Jungs Bastian, Prasbanth und Kavyan ein 10 Minuten Simultan an, was dann auch mit Ach und Krach gewonnen wurde; ja, obwohl noch ziemlich klein wissen die Kids schon, wie sie mit den Figuren umgehen müssen.
Auf Wunsch der «Azubis», weil dass eben immer so sei, wurde zum Schluss noch Tandem gespielt; ein Team besteht aus 2 Spielern, und jede gewonnene Figur wird dem Partner übergeben, damit dieser sie auf dem eigenen Spielbrett irgendwo einsetzen kann. Langsam brach dann die Anarchie wenigstens auf dem Brett aus, da Jan und Stelios gegen Bastian und den Schreibenden spielten, irgend welche Figuren einfach irgendwo einsetzten, Regeln, die völlig mysteriös sind, zu ihren Gunsten auslegten, usw, usw. Normalerweise spielt auch noch Leo mit, ein Unruheherd unter dem Herrn, wodurch verständlicher wurde, warum das Training von mindestens 2 Personen geleitet wird. Gott sei Dank war auch Sophia nicht da, sonst wäre wieder eine Gardinenpredig über das Rauchverhalten des Präsidenten los getreten worden.
«Christoph, willst Du auch ein Bier?»
Die Kinder waren weg, und es war Zeit, die ermatteten, ausgelaugten Lebensgeister wieder zu reaktivieren, sich vom Hurricane des Jugendschachtrainings zu erholen. Flöhe hüten ist ein Luxus dagegen.

Cheyenne

Eigentlich hätte es der erste Auftritt der neuen Band sein sollen; das Inserat tönte gut, open jam ab 20 Uhr, jeder kann mitmachen. So traf man sich vorher privat bei grillierten Sardinen, frittierten Auberginen, Spinat mit Nüssen und anderem und legte nochmals das Programm fest.
«Opener, Funk oder Rock’n Roll?»
«Funk wie city lights»
«OK, dann das geplante Gerödel mit den 5 Stücken»
«3»
«Egal, wir spielen no expectations und someday einfach auch noch. Nervös?»
Das Lokal ist eine 2 stöckige Baracke, oben irgendwo eine Jugenddisco, unten ein gemütliches Clublokal, wo bereits ein paar junge Leute die Bühne besetzt hatten und munter drauf los irgend etwas total Monotones auf a moll oder so zum Besten gaben. Es wurde noch etwas krasser, als ein E Sitar Spieler sich dazu gesellte, später noch eine junge Gothic Sängerin; der Sound tönte immer mehr nach Psycho und Friedhof, worauf freiwillig das Feld geräumt wurde, da die Chance so guten, alten, fröhlichen Rythmen and Blues zu spielen verschwinden klein wurde.
Cheyenne heisst die Bar in der Nähe; wenig Leute, was recht war. Nach der Einsicht, dass das Stichwort open stage sein sollte und das Management total versagt habe, schweifte das Gespräch auf Reisen ab, wo man schon war oder hin gehen möchte, Musik im allgemeinen und vieles mehr.
Planungsfehler?

Badewannenblues

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Fussel

Irgendwie nervte ihn diese kleine Fussel, die da am Ärmel der Jacke hing, und er wischte sie weg. Seine beiden Freunde starrtten ihn verständnislos an, zumal er in der Vergangenheit nicht besonders durch Putzeifer aufgefallen war und diese Arbeit damals lieber den anderen überlassen hatte. Entschuldigend hob er seine Schultern und meinte, dass da wohl die norddeutschen Gene seiner Mutter langsam durch schlägen und die Tessiner Leichtigkeit verdrängen.
Die Photoausstellung im neu erbauten Kunsthaus war etwas enttäuschend; da waren unter Vitrinen Photoalben hingelegt, die das Sammlerehepaar auf Flohmärkten und Auktionen erworben hatte und wahrscheinlich auf Grund irgend eines Bekanntheitsgrades in der Stadt  dem Publikum zeigen durfte. Es war konzeptlos, was geboten wurde, ein paar Videoinstallationen und Einzelbilder über das Alltagsleben irgendwo.
Egal, die Photos traten schnell in den Hintergrund, als draussen am Flussufer in einer Strassenbeiz die ersten Biere flossen und wie üblich nach dieser langen Zeit die damalige WG als Schmelztiegel des Gespräches fungierte.
Auch später im nächsten Lokal in der Innenstadt beschlich einem das Gefühl, dass da drei Freunde sassen, gescheiterte Existenzen mit zerbrochenen Beziehungen, Relikte der damaligen Zeit, wo alles Intellektuelle möglich schien, verloren in ihrer Naivität, ohne zu merken, dass die Gesellschaft schon längst ihre Normen gewechselt hat.
Fussel oder Fusel?

Some like it hot

Ob das eine kluge Idee war, im Hochsommer bei etwa 30 Grad diese Stück abzuwandern, mag im Nachhinein bezweifelt werden; der Substanzverlust scheint doch gross, als ob 6 Stunden in einer Sauna verbracht worden wäre, zumal der Weg zwar doch grössten Teils durch Auwälder führt, wo es schattig und etwas weniger heiss ist, aber topographisch ist es eher langweilig, alles geradeaus, auf dem Damm dem Ziel Weinfelden entgegen.
Fatalerweise kommt man dennoch zum Genuss von Kompostsammelstellen, Feldern, Industrie, Einkaufszentren an der Peripherie der Kleinstadt, da irgendwo vorher das gelbe Schildchen übersehen wurde.
Mit letzten Kräften der Bahnhof erreichend wächst die Erkenntnis, dass auch der Hochsommer in der Schweiz ziemlich heiss sein kann.

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Die Begradigung des Flusses geschah vor gut 130 Jahren mit dem Ziel Überschwemmungen zu verhindern, Landwirtschaftsland zu erhalten und auch die Malaria zu bekämpfen, die damals auch in der Schweiz noch heimisch war. Ein Nebeneffekt der Begradigung ist auch, das in Frauenfeld an der Thurebene ein grosser Waffenplatz gebaut werden konnte, dessen Areal heute grössten Teils unter Naturschutz steht, obwohl noch immer bei Bedarf irgend welche schiesswütigen Soldaten sich dort im Gelände tummeln. Wer sagt denn, dass alles bei der Armee schlecht ist??